Wertschätzendes Feedback geben

Klaus führt ein kleines Team im Bereich Informatik. Er entwickelt kundenspezifische Software, führt diese ein und bietet auch entsprechende Schulungen an. Er gibt sein Bestes, doch für Simone, eine Kundin, ist es einfach nie gut genug. Im Gespräch mit einem seiner Mitarbeitenden beklagt sich dieser, dass Simone schon wieder zusätzliche Unterlagen für die Schulung wünsche und sie sich nicht an die gemeinsam definierten Koordinationsprozesse halte, was das Team immer wieder aus dem Rhythmus bringt und viel zusätzliche Administration bewirkt.

Der Zufall will es, dass Simone am Nachmittag zugegen ist. Gut gelaunt unterhalten sich die Beiden und Klaus spricht Simone auf die Problempunkte an. Er tut das locker, sie tauschen Ideen aus und Simone ist wieder weg.

Höchst erstaunt ist Klaus daher, als er am nächsten Morgen ein Mail von Simone in seiner Inbox vorfindet. Es ist zwei Seiten lang, gespickt von Betroffenheit, Rechtfertigung und Wut. Klaus fällt aus allen Wolken. Das Gespräch war doch tipp topp, unbeschwert wie selten zuvor? Simone jedoch äussert Worte wie: „Ich möchte niemandem was Böses“, „Ich möchte Zeit zum Antworten, bevor man mich mit solchen Themen konfrontiert“, „Ihr behandelt mich unfair und sucht einen Sündenbock“, „immer soll ich an allem Schuld sein“.

Simone hat Feedback gegeben, das ist super. Doch es gibt da einige Punkte, die sie hätte besser machen können.

Kommunikationskanal

Wenn immer möglich wähle den direkten Weg um Dinge anzusprechen, die dich beschäftigen. Ich weiss, oft haben wir Angst davor, z.B. vor der Reaktion des Gegenübers, aber genau dann ist es wichtig, dass wir den direkten Dialog suchen um Interpretationen zu vermeiden.

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Absicht beim Feedback geben

Überleg zuerst, warum du Feedback geben möchtest. Was dich dazu antreibt, zu reagieren. Mach eine Liste der Gründe. Lass dann deine Gefühle sprechen und ergänze deine Liste. Sei dabei ganz ehrlich mit dir selber, denn oft sind wir verletzt oder fühlen uns nicht verstanden. Daraus entspringt der Drang nach Rechtfertigung oder gar nach Rache.

Sei dir bewusst, dass der Grund, warum wir Feedback geben, immer mit uns selbst zu tun hat, dass wir das primär für uns und nicht für den anderen tun. Du stockst? Sinnier darüber: es ist so ;-).

Achte darauf, dass du nur Feedback gibst, wenn die Absicht dahinter positiv ist. In Simone’s Fall kann das sein, dass ihr die Zusammenarbeit wichtig ist oder das Training top verlaufen soll. Achte doppelt darauf, ob sich hinter so formulierten Absichten nicht doch verletzte Gefühle verbergen. Bei Simone ist dies so. Also ist es für sie äusserst wichtig, dass sie sich den nächsten Punkt zu Herzen nimmt.

Selbstversöhnung – eine Notwendigkeit beim Feedback geben

Bevor du Feedback gibst: Fühl in dich hinein. Was klingt an, tut weh, nervt oder macht dich traurig? Was führt dazu, dass du fluchst, den anderen verurteilst oder dich klein und unscheinbar fühlst?

Lass einfach geschehen. Vielleicht überrollt dich das Gefühl, vielleicht findest du dich plötzlich in einer dir bekannten Situation wieder, es durchfluten dich Gedanken oder dein Körper reagiert. Vielleicht geschieht auch gar nichts. Wichtig ist, dass du zulässt, was ist. Einfach annimmst. Es ist ok. Die Reaktion gehört zu dir, ist ein Teil von dir und es gilt, diese anzunehmen.

In diesem Moment geht es nur um dich, deine Gefühle, deine Reaktionen und das Ziel, alles anzunehmen, wie es ist. Denn all diese Reaktionen (oder das ‚sich tot und leer fühlen‘ und/oder ‚im Kopf leer sein‘) entspringt aus dir heraus. Oft sind es z.B. Gefühle, die uns unangenehm sind, Gedanken, die wir uns nicht erlauben, zu denken, oder Schmerzen, die wir einfach nicht mehr spüren wollen. Aber indem wir all dies verdrängen, verleugnen wir Teile von uns, Teile von unserer ‚inneren‘ und ganz persönlichen Familie, wie ich dies nenne.

Stell dir eine Familie im Aussen vor und stell dir vor, wie ein Kind einfach ausgegrenzt wird, weil es sich nicht so benimmt, wie das erwartet wird? Stell dir den Schmerz vor, den dieses Kind durchlebt? Schrecklich, nicht? Und nun geh zurück zu den Mitgliedern deiner inneren Familie, die du nicht so sehr magst, die du ablehnst. Und stell dir vor, wie sie leiden, weil du sie ablehnst. Und werde dir jetzt bewusst, dass es Teile von dir selber sind, die du ablehnst und welchen du Schmerzen zufügst. Klingelt’s? Hier ist Selbstversöhnung angesagt und zwar bevor du Feedback im Aussen gibst.

Hätte Simone sich selber zugehört und reingefühlt, bevor sie Klaus das Mail schrieb, hätten ihre Zeilen anders geklungen – oder es wäre gar kein Feedback mehr nötig gewesen. Viel Energie und Zeit hätte dann auf beiden Seiten anders eingesetzt werden können.

Feedback geben: Der Ton macht die Musik

  1. Diesen Satz kennen wir alle bestens. Vergreifen wir uns im Ton, kommt’s nicht gut. Sei also darauf bedacht, dass du in versöhnlicher Stimmung bist, wenn du Feedback gibst.
  2. Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Wortwahl. Worte können töten. Entscheide du – was ist deine Absicht?
  3. Sprich von dir, wie es dir ergangen ist, was die Situation in dir ausgelöst hat und distanziere dich davor, das Gegenüber zu interpretieren, zu sagen wie es sich fühlt oder zu fühlen hat. Ersteres können wir nur erahnen, nie aber genau wissen – trotz Empathie ;-).
  4. Hüte dich davor, zu bewerten. Bemüh dich, zu beschreiben. Dies tönt so einfach, ist es aber nicht. Übe dies daher im täglichen Leben, so fällt es in Krisensituationen einfacher.